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Versicherungen

Liechtenstein ist in den letzten zehn Jahren zu einem interessanten Platz für Versicherungen geworden. Das liechtensteinische Versicherungsrecht entspricht dem EU-Standard und ist europäisch anerkannt. Grundsätzlich kann in Liechtenstein jede Versicherungsunternehmung gegründet und tätig werden. In der Praxis haben sich aber vor allem zwei Arten von Versicherungen etabliert.

Zuerst einmal ist es die klassische Lebensversicherung in verschiedenster Ausprägung. Bei der Lebensversicherung spielen die langfristige Vermögensverwaltung und eben die Versicherung des Todesfallrisikos eine grosse Bedeutung. Die liechtensteinischen Versicherungen haben eine erhebliche Vielfalt von Möglichkeiten und Lösungen für die Kunden hervorgebracht. Zu nennen sind hier die Versicherungen mit Einmaleinlage; massgeschneiderte Versicherungen, bei denen die Art der Vermögensverwaltung zu einem erheblichen Teil durch den Versicherungsnehmer vorgegeben werden kann; aber auch ganz klassische Risikolebensversicherungen mit jährlichen Ratenzahlungen.

Lebensversicherungen machen insbesondere auch für Personen Sinn, die ganz bewusste einen bestimmten Anteil ihres Vermögens für mehrere Jahre auf die Seite bringen wollen. Wenn beispielsweise ein Versicherungsnehmer Geld für sein Alter oder für den Zeitpunkt des mutmasslichen Studienbeginns der Kinder auf die Seite bringen will, so kann er dies in eine Versicherung einbringen und entweder den Erlebensfall seines Alters oder den Zeitpunkt versichern, wenn die Kinder ein bestimmtes (Studium) Alter erreichen. Dabei gilt wirklich das Prinzip „aus den Augen aus dem Sinn“: Der Versicherungsnehmer zahlt die entsprechende Prämien einmal ein und muss sich danach nicht mehr darum kümmern. Er muss es nicht einmal in seiner Steuererklärung angeben, da die Besteuerung auf den Zeitpunkt aufgeschoben ist, wenn der Versicherungsfall eintritt. Je nach Wohnsitzstaat des Versicherten muss die Versicherung am Anfang noch eine bestimmte – relativ geringe – Steuer abführen. Wenn die Versicherungsleistung ausgezahlt wird, ist sie zudem meistens im Vergleich zu anderen Erträgen privilegiert behandelt. Es würde den Rahmen dieses kurzen Beitrages sprengen, hier auf alle möglichen Staaten und Lösungen einzugehen.

Eine zweite grosse Gruppe von Versicherungslösungen stellen die sogenannten Eigenversicherungen oder Captives dar. Es handelt sich hier um Spezialversicherungen, in denen eigene Risiken versichert werden. Wie muss man sich das Vorstellen? Wenn beispielsweise eine Ärztekammer eines Landes oder Bundeslandes die Risiken des Berufes versichern will, so kann sie dies bei einer der klassischen bekannten Versicherungen tun. Sie kann aber auch selber eine Versicherung gründen und errichten. Eine solche „Eigenversicherung“ wird als Capitve bezeichnet. Regelmässig arbeitet eine solche Versicherung mit einer traditionellen Schadensversicherung zusammen, welche die „Frontarbeit“ erledigt. Die Captive fungiert in diesem Zusammenhang praktisch wie eine Zwischen- oder Rückversicherung. Dieses Modell ist deswegen so interessant, weil damit Versicherte bzw. Gruppen von Versicherten, die solvent sind und gute Risiken darstellen, die Gewinne, die sonst die Versicherungsgesellschaft einstreichen würde, selber realisieren kann.

Liechtenstein bemüht sich in diesem Zusammenhang den Spagat zwischen grosser Sorgfalt und Sicherheit einerseits und Flexibilität und tiefen Kosten andererseits zu erreichen. Eine Versicherung muss besonderen Rechnungslegungsanforderungen, aber auch Solvenzanforderungen entsprechen. Wie meistens im Wirtschaftsleben kann man dies sehr formalistisch handhaben oder aber man kann sich an den wirklichen Bedürfnissen orientieren. Liechtenstein hat es hier geschafft die Qualitätsstandards einzuhalten, ohne deswegen in einen unnötigen und unproduktiven Formalismus zu verfallen.